Frieder Hartung | Urbane Projekte & Konzeptionen

Orte mit Zukunft

Neuland

Aktuelle Einblicke in spannende Projekte, Diskussionen und Prozesse rund um die Entwicklung von Zukunftsorten. Oder auch Entdeckungen in Presse, Fachliteratur und Web kombiniert mit eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Frisch aufbereitet, kommentiert und in einen Kontext gesetzt.

Geislingen an der Steige: Strategische Ziele für die Stadtentwicklung 15-03

Die Entwicklung strategischer Ziele und Leitsätze standen im Mittelpunkt der gemeinsamen Klausurtagung von Gemeinderat, Mitarbeitern der Stadtverwaltung und Ortsvorstehern am 13. & 14. März in Finningen bei Neu-Ulm. Unter der Moderation von Frieder Hartung und Christoph Weinmann wurden in einem strukturierten Arbeitsprozess im Plenum und in Kleingruppen die verschiedenen Blickwinkel zu 10 Themenschwerpunkten intensiv diskutiert, gemeinsame Positionen entwickelt und diese anschließend zu einem Gesamtbild zusammengefügt. Dieses zeigt die langfristige Perspektive für die zukünftige Entwicklung der Fünftälerstadt auf.  

Dieser wichtige Schritt im Rahmen des Mach5-Prozesses dient als Grundlage für die Erarbeitung eines nachhaltigen Stadtentwicklungskonzeptes. Die aktuellen Ergebnisse knüpfen an die Auftaktveranstaltung mit rund 300 Bürgerinnen und Bürgern vom letzten Jahr und die dort gesammelten Vorschläge und Tätigkeitsschwerpunkte an. Am 12. April sollen die Ziele und Leitlinien öffentlich vorgestellt und gemeinsam mit der Bürgerschaft diskutiert werden. 

OB Dehmer: Haben "ganz, ganz wichtigen Schritt" gemacht (Artikel aus der Geislinger Zeitung vom 17.03.2015)

Wem gehört die Stadt? Bürger in Bewegung

Zur Berlinale-Zeit ein Hinweis auf einen Film, der bald in die Kinos kommt: „Wem gehört die Stadt? Bürger in Bewegung“. Die Filmemacherin Anna Ditges hat mit der Kamera in Köln-Ehrenfeld beobachtet, was passiert wenn Anwohner, Investoren, Politiker und Stadtplaner ganz unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft ihres Viertels unter einen Hut bringen müssen. Kinostart ist am 19.02 - u.a. in Stuttgart. 

Zur Filmseite mit Trailer & Presseschau: http://wemgehoertdiestadt-derfilm.de.

Filmplakat

Moderne Stadtkultur in historischer Kulisse - Stadtmitte Rottweil 14-12

Zum Auftakt der geplanten städtebauliche Erneuerung des historischen Rottweiler Stadtkerns haben Stadtverwaltung und die STEG Stadtentwicklung in Kooperation mit Urbane Projekte & Konzeptionen am Montag, 8. Dezember über das Vorhaben informiert und mit 200 Bürgerinnen und Bürgern diskutiert.

Mit der Erneuerung verfolgt die Stadt Rottweil das ambitionierte Ziel, "die historische Bausubstanz aufzuwerten, zu modernisieren und gleichzeitig das städtebauliche Erbe der ältesten Stadt Baden-Württembergs zu bewahren" so Oberbürgermeister Ralf Broß. Unter dem Motto "Moderne Stadtkultur in historischer Kulisse" sollen neue zentrumsnahe Wohnangebote geschaffen und bestehende Leerstände wieder einer zukunftsfähigen Nutzung zuführt werden.

Diese Ziele sollen durch ein integrierten Entwicklungskonzeptes konkretisiert und mit Leben gefüllt werden. Handlungsfelder wie Historischer Gebäudebestand, Wirtschaft, Wohnen, Mobilität, Tourismus / Kultur sowie Ökologie und Energie werden dabei behandelt. In den darauffolgenden Wochen und Monaten sollen im Dialog mit der Bürgerschaft, Gewerbetreibenden und örtlichen Akteuren gemeinsam umsetzungsorientierte Ideen und Projekte entwickelt werden, die in das Innenstadtkonzept münden. 

Die gut 200 interessierten BürgerInnen und Bürger konnten in einem Diskussionsforum ihre Anregungen und Wünsche einbringen und hatten Gelegenheit mit den Vertretern der Stadtverwaltung und der STEG ins Gespräch zu kommen.

 

Müllheim macht's! Zukunftswerkstatt mit 120 Teilnehmenden 14-06

Die Rosenburg-Grundschule, der Veranstaltungsort der Zukunftswerkstatt am 10. Mai 2014 war bis auf den letzten Platz gefüllt. Interessierte und engagierte Bürgerinnen und Bürger aus Müllheim waren gekommen um kreative Lösungen für eine familienfreundliche, generationengerechte und attraktive Stadt zu suchen. Der Modus einer Zukunftswerkstatt mit den getrennten Arbeitsphasen Ausgangssituation - Reise in die Zukunft - Verwirklichung beförderte den Austausch zwischen den Beteiligten und die Entwicklung gemeinsamer Perspektiven. 

Unter der Moderation von Frieder Hartung (Prozessbegleitung) und Dr. Thomas Uhlendahl wurde entlang folgender Themenschwerpunkte gearbeitet:

  • Alt & Jung gemeinsam aktiv
  • Älter werden in der Stadt
  • Stadtentwicklung & Ortsteile

Zu jedem Themenschwerpunkt wurde im Ergebnis ein Aktionsplan mit konkreten Maßnahmevorschlägen und Verantwortlichkeiten präsentiert. Diese fließen zusammen mit den Ergebnissen aus der vorangegangenen Bilanzwerkstatt mit Vertretern der Verwaltung, der Kommunalpolitik und Vertretern aus Wirtschaft, sozialen Einrichtungen und Vereinen ein in die Entwicklung eines demographischen Handlungskonzeptes. Die Stadt Müllheim ist eine von 22 teilnehmenden Städten und Gemeinden am Kommunalen Managementverfahren des Landes. 

Mehr zur Zukunftswerkstatt in Müllheim in der Badischen Zeitung & im Stadtkurier

Geislingen auf dem Weg: Mach5 geht in die Fortsetzung 14-05

Die Resonanz von fast 250 Besuchern und Hunderte von Ideen zur Auftaktveranstaltung des Mach 5-Prozesses in Geislingen/Steige am 29.03.2014 sprechen für sich. Die Geislinger Bürgerinnen und Bürger sind interessiert und engagiert, wenn es um die weitere Entwicklung ihrer Stadt geht. Mehr dazu im Artikel der Geislinger Zeitung oder über die Bilderstrecke der Veranstaltung

Die Zusammenarbeit von Stadtverwaltung, Kommunalpolitik und Bürgern steht unter dem Dach des Pilotprojektes zur "Nachhaltigen Kommunalentwicklung - Gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft" zur Entwicklung einer Gesamtstrategie für die 5-Täler-Stadt. Dabei wird die Stadt unterstützt vom Städtetag Baden-Württemberg und durch Frieder Hartung als Prozessbegleiter vor Ort.

Das größte Anliegen der Geislingerinnen und Geislinger, dies hat die Ideenwerkstatt zum Auftakt gezeigt, ist mit großem Abstand die Belebung ihrer Fußgängerzone. Mit diesem Ergebnis wurden alle Einzelhändler, Gastronomen, Dienstleister und Hausbesitzer zu einem gemeinsamen Workshop am 15.05.2014 in die Kapellmühle eingeladen um über die Stärkung des Standortes Fußgängerzone zu beraten. Die über 100 Teilnehmenden diskutierten in parallel arbeitenden Arbeitsgruppen die zahlreichen Ideen der Bürger, bündelten diese und entwickelten klare Lösungsansätze, die zum Ende hin vorgestellt und priorisiert wurden. Mehr zur Veranstaltung und den Ergebnissen im Artikel der Geislinger Zeitung. Zur Weiterarbeit an den drei Schwerpunkten Erlebnis & Veranstaltungen, Parkierungssystem und Stadtmarketing/Image hat sich der Großteil der Teilnehmenden gleich vor Ort eingetragen. Der Mach5-Prozess lebt.

Vom Mehrgenerationenhaus zum Mehrgenerationenquartier 14-04

Wie müssen Nachbarschaften für eine bunter und älter werdende Bevölkerung gestaltet sein, damit Quartiere für alle Generationen und Gruppen langfristig attraktive Rahmenbedingungen bieten?

Unter Leitung von Dr. Christine Meyer und Frieder Hartung beschäftigen sich Studenten der Stadtplanung an der HfWU Nürtingen-Geislingen im Sommersemester mit diesen Fragestellungen. Und klären, inwieweit sich die Ansätze des bewährten und anerkannten Modells des Mehrgenerationenhauses auf Quartiersebene übertragen lassen, oder - diese sinnvoll ergänzen können. Dabei werden Themen wie Mobilität im Alltag, öffentlicher Raum, Nahversorgung, Orte der Begegnung, Partizipation sowie nachbarschaftliche Unterstützung aufgegriffen und daraus Handlungsansätze für die Verbesserung der Lebensqualität im Quartier abgeleitet.

Partner bei diesem Studienprojekt ist das Gebrüder Schmid Zentrum im Generationenhaus Heslach der Landeshauptstadt Stuttgart. Deren Anspruch "Das Ganze im Viertel" zu sein, schafft die Anknüpfungspunkte, Räume (und auch die Freiräume) auf der Suche nach neuen Lösungen für das Miteinander im sozialen, gesellschaftlichen und räumlichen Leben und Gestalten im Quartier. Ein neuer (virtueller) Raum in Form eines Blogs bietet seit 1. Mai Wissenswertes über das Geschehen rund um das Generationenhaus und die Menschen im Quartier.

Mach 5 - Geislingen an der Steigerung14-03

Die 5-Tälerstadt startet mit einer groß angelegten Auftaktveranstaltung am 29.03.2014 gemeinsam durch in Richtung Zukunft! Gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft ist auch der Titel des von Umweltministerium und dem Städtetag getragenen Pilotprojektes zur nachhaltigen Kommunalentwicklung an dem Geislingen neben vier weiteren Städten im Land teilnimmt.

Begleitet wird die Stadt durch den Städtetag Baden-Württemberg und Frieder Hartung als Prozessbegleiter, der in Kooperation mit Martin Müller vom Städtetag auch die Moderation der Auftaktveranstaltung übernimmt.

Die Veranstaltung soll nach dem Motto „schimpfen, spinnen, schaffen“ dem Herausarbeiten von aktuellen Baustellen sowie dem Hervorbringen von neuartigen Ideen und Lösungsansätzen dienen, die den Blick vorwärts richten und das Geislingen der Zukunft beschreiben. Dazu sind Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Einrichtungen, Unternehmen und Initiativen eingeladen ihre Sichtweise und Vorstellungen einzubringen. Die Ergebnisse aus der Veranstaltung fließen ein in die weiteren Schritte zur strategische Ausrichtung der kommunalen Entwicklung. Dabei wird ressort- und parteiübergreifend von Verwaltung, Kommunalpolitik und Bürgerschaft über die kommenden Monate daran gearbeitet. Die ganzheitliche Zukunftsperspektive soll bereits bestehende Projekte, Potentiale und wichtige lokale Akteure einbinden. Beispielgebend hierfür ist die Kampagne, die zum Start des Prozesses und von der Geislinger Zeitung und der 5-Sterne-Aktionsgemeinschaft ins Leben gerufen wurde und auf die Veranstaltung und das Vorhaben hinweist. Ausgedacht hat sich diese die Agentur Burkert Gestaltung des gebürtigen Geislingers Jens Burkert.

Nachhaltige Entwicklung durch Beteiligung - Vorbild Vorarlberg13-09

Fortbildung in Batschuns (AT) vom 17.09. - 19.09.2013 

Vorarlberg hat sich in wenigen Jahren von einem strukturschwachen Gebiet zu einer der innovativsten Regionen Europas entwickelt. Nachhaltiges Wirtschaften und vorbildliche Infrastruktur, sowie die Weiterentwicklung der traditionellen Handwerkskultur sind Elemente dieser Entwicklung. Motor des Wandels sind eine am Gemeinwohl orientierte Wirtschaftsweise, die Stärkung regionaler Netzwerke und kulturelle Beteiligung.

Zum Programm der Veranstaltung

Kleine Städte, große Aufgaben - was tun?13-08

Klein- und Mittelstädte sind Heimat für ein Drittel der Bevölkerung, Standorte für die Mehrheit der 3,5 Mio. Betriebe und Unternehmen und die überwiegende Zahl von Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern in diesem Land. Damit sind diese Städte Ankerpunkte der Daseinsvorsorge für ihre Bürger, die örtliche Wirtschaft und die dörflich geprägten Orte in ihrem jeweiligen Hinterland. Im Spannungsfeld von Wachstumsdynamik und Schrumpfungsspirale kristallisieren sich jedoch regionale Disparitäten in der Infrastrukturausstattung- bspw. Breitbandversorgung - häufig im Fall von Kleinstädten heraus, die unter dem Eindruck der zunehmenden Abkopplung von Infrastruktur und Bevölkerungsentwicklung immer stärker in die Abhängigkeit (ungünstiger) endogener Entwicklungspotenziale und staatlicher Transferleistungen geraten.

Die Städtebauförderung wie auch vergleichbare Programme und Förderungen bieten Denkanstöße sowie die Gewährung finanzieller Unterstützung für Kommunen an. Gleichzeitig entfalten herkömmliche Strategien, Instrumente und Institutionen nur eine begrenzte Wirkung, bzw. erreichen manche Kleinstädte und deren Hinterland regelmäßig nicht. Dies wirft die Frage nach einer alternativen Entwicklungslogik auf. Inwieweit kann eine Politik des Ermöglichens neuer und innovativer (privater) Modelle und lokaler Partnerschaften eine gemeinsame Entwicklung von tragfähigen Ideen für die zukünftige Entwicklung anstoßen, Kontinuität gewährleisten und die langfristige Sicherung von Funktionen begünstigen?

Als Lösungsansätze werden vermehrt Strategien und Maßnahmen in den Blick genommen, welche die kommunale Resilienz und Eigenverantwortlichkeit stärken. Die Erschließung endogener Potenziale durch vorhandenes Know-How und bürgerschaftliches Engagement, die Qualifizierung von Aufgabenträgern und Aktiven sowie die professionelle Begleitung von strukturierten Verfahren mit dem Ziel passgenaue und nachhaltige wirksame Strategien zu entwickeln, sind in der Diskussion. Gleichzeitig ist zu ergründen, ob durch eine veränderte Raumwahrnehmung die Bereitschaft zu interkommunaler Kooperation erhöht werden kann. Im Bewusstsein für die Situation der Nachbarkommunen – mehr miteinander, weniger nebeneinander – könnten Handlungskompetenzen für die sich ähnelnden Aufgabenstellungen erlangt und interkommunale Kooperationen auf den Weg gebracht werden.

Intelligente Beispiele im Bereich Mobilität 13-07

Ganz im Sinne der Multi-Modalität, die in der Verkehrswissenschaft die routinemäßige Nutzung verschiedener Verkehrsmittel bezeichnet und allgemein ein Vorgehen beschreibt, welches auf vielfältige Art und Weise erfolgen kann soll auch in diesem Beitrag verschiedenste intelligente Ansätze vorgestellt werden. Gemeinsam ist diesen Vorschlägen eine hohe soziale Komponente, ein geringer ökologischer Fußabdruck und ein hoher persönlicher Nutzen.

  1. flinc, ein Mitfahrnetzwerk für die Fläche – um spontan oder regelmäßig Fahrten zu vermitteln von Menschen, die eine gemeinsame Wegstrecke haben (aber dies vielleicht noch nicht wissen). In Gemeinden und Regionen mit ausbaufähigen Bus- und Bahnverbindungen ist damit viel gewonnen. Das ‚Social Mobility Network’ schließt eine Lücke zwischen Angeboten wie z.B. Mitfahrgelegenheit für Mittel- und Langstrecken, Pendlernetzwerken (Betriebsinterne Organisation) und Trampen (soll es auch noch geben). Online oder per App kann man den Fahrplan der eigenen Gemeinde abrufen, gemeinsam Geld sparen und auf nachhaltige Art mobil sein.
    zur flinc-Webpräsenz

  2. Free Public Transportation Tallin. Die estnische Hauptstadt geht einen mutigen Schritt und bietet als erste ihrer Art ihren Bürgern einen kostenlosen Nahverkehr. Die städtischen Offiziellen sprechen nach 3 Monaten von einem Erfolg, während Skeptiker dies als populären, teuren Wahlkampftrick brandmarken. Die Effekte lassen sich in Zahlen belegen: Anstieg der Fahrgäste um 10% bei 15% weniger Autos auf den Straßen und 90% der Bevölkerung Zustimmung in der Bevölkerung. Die wirtschaftliche Perspektive zeigt auf der einen Seite entgangene Einnahmen durch Ticketverkäufe von 12 Mio. € jährlich denen gegenüber massive Einwohnerzuwächse stehen (um in den Genuss der kostenfreien Transports zu kommen muss man als Bürger der Stadt gemeldet sein), die nach aktueller Dynamik die Kosten für das aktuelle Jahr amortisieren. Die soziale Perspektive ist nicht minder spannend: eine gleichberechtige Teilnahme an der Verkehrsinfrastruktur und damit Zugang zu Mobilität insb. für sozial schlechter gestellte. Auch in anderen Städten (z.B. Stuttgart) bringen Gruppen dieses Konzept in die Diskussion.
    zum Artikel in der Huff Post (in englischer Sprache)
    zum Plakat des parteifreien Bündnis SÖS 'Kostenloser Nahverkehr für alle' 

  3. Ein leises, effizientes und umweltfreundliches und barrierefreies Verkehrsmittel, bisher bekannt im Zusammenhang mit idyllischem Bergpanorama (die Gondel) erobert die Städte. Erst kürzlich wieder präsent in der Berichterstattung durch die Entscheidung des UNESCO-Welterbe-Komitees den Betrieb der Seilbahn in Koblenz über die Zeit der Bundesgartenschau hinaus zu verlängern. Die Bevölkerung wünschte mit großer Mehrheit den Erhalt der liebgewonnenen Attraktion und die Stadtoberen sehen darin einen wichtigen Impuls für die Stadtentwicklung durch die Anbindung bisher abgelegener Stadträume. Gleiches wurde schon in Kolumbien mit Erfolg praktiziert um vor allem Armenviertel mit öffentlichem Nahverkehr zu bedienen, wo meist ein Straßennetz fehlt und die Verkehrszeiten so erheblich verkürzt werden können für die Bewohner. Das österreichische Betreiber- und Seilbahnentwicklungsunternehmen Doppelmayr  als auch der ehem. Bürgermeister der Stadt Bogotá sehen in den Stationen soziale Kristallisationskerne, die wirtschaftliche und soziale Dienstleistungen und Angebote nach sich ziehen. Viele Städte haben bereits ihre Seilbahn, so Hongkong, London, Barcelona oder Rio de Janeiro, in Hamburg wartet man noch auf die Genehmigung. Ob Staus, Verkehrslärm, schwierige topografische Verhältnisse oder Engstellen entlang der Straßen – Seilbahnen schweben darüber hinweg und sind deutlich schneller zu realisieren als straßen- oder schienengebundene Infrastrukturvorhaben. Planung und Bau der Bahn in Koblenz gingen in 14 Monaten über die Bühne. Da bleibt höchstens das Warten auf die nächste Gondel, bekannt vom Skifahren bei idealen äußeren Bedingungen. Das wäre dann aber wieder ein Hinweis auf die Attraktivität des Verkehrsmittels an sich.
    zu den Seiten der privaten Initiative Hamburger Seilbahn 
    zum Artikel 'Himmlische Seilschaften' im Magazin DB Mobil 
    zum Blogbeitrag 'Urbane Seilbahnen' auf dem privaten Portal 'Zukunft Mobilität'

  4. Last but not least, das rote, fette Bologna wie es durch die kommunistische Prägung und das reichhaltige Angebot an Kulinarik von den Italienern genannt wird. Die Comune die Bologna hat sich etwas einfallen lassen gegen den Verkehrsinfarkt der historischen Innenstadt mit den charakteristischen Säulengängen durch den motorisierten Verkehr. Im April letzten Jahres wurden die T-Days eingeführt, damit werden Tage bezeichnet, in denen die großen Innenstadtachsen (die das namensgebende T formen) ausschließlich den Fußgängern und Radfahrern vorbehalten sind. Das ist der Fall an den Wochenenden wie auch an Feiertagen, wo sich wirtschaftliche Tätigkeit im Zentrum und somit auch zwingende Fahrten dort in Grenzen halten. Das Gefühl eines öffentlichen Raumes zwischen den mächtigen Bürgerhäusern ohne Abgase, Lärm und ohne die Einschränkungen durch Blechkarossen schafft neue Erfahrungsräume für Anwohner, Bologneser und Gäste und damit eine neue Attraktion der norditalienischen Stadt.
    zu den Seiten der T-Days - Aktion der Stadt Bologna (bislang nur in italienisch)

Land fördert nachhaltige Kommunalentwicklung & Beteiligung 13-06

> Pilotprojekt „Nachhaltige Kommunalentwicklung"

Das Pilotprojekt „Nachhaltige Kommunalentwicklung – gemeinsam auf dem Weg in die Zukunft“ für Gemeinden, Städte und Landkreise möchte eine neue Beteiligungskultur etablieren. Kernstück ist dabei ein “Trialog” aus Verwaltung, Kommunalpolitik und den weiteren Akteuren insb. der Bürgerschaft. In diesem Verbund sollen Planungen, Entscheidungen und Prozesse gemeinsam vorbereitet, gestaltet und umgesetzt werden. Sog. Prozessarchitekten bieten eine kostenfreie Erstberatung vor Ort, welche eine Vorgehensweise zur weiteren Begleitung und Beratung rund um eine nachhaltige Kommunalentwicklung einschließt. Auf dieser Basis sollen Konzepte entwickelt werden, die lokale Strukturen, Rahmenbedigungen und bisherige Erfahrungen berücksichtigen. Ein solches passgenaues Unterstützungsangebot fördert

  1. den Blick für das große Ganze. Nicht Einzelprojekte stehen im Vordergrund sondern eine gesamtheitliche kommunale Entwicklung. Welche künftigen Themen im Mittelpunkt stehen oder miteinander verknüpft werden ist dabei offen.
  2. die weitere Entwicklung teilnehmender Kommunen. Diese wird von einem landesweit vernetzten Beratungsnetzwerk begleitet
  3.  die Qualifizierung teilnehmender Verwaltungen im Bereich Beteiligungsprozesse und nachhaltige Kommunalentwicklung sowie die Einbindung in ein Netzwerk der „erfahrenen und lernenden Kommunen“

Hinter diesem Projekt steht das Umweltministerium (koordinierende Funktion) mit den Projektpartnern Städte-, Gemeinde- und Landkreistag und ihren Netzwerken für Bürgerschaftliches Engagement sowie dem Zukunftsbüro in Ludwigsburg.

Projektseite des Umweltministeriums


> Integriertes Managementverfahren

Das integrierte Managementverfahren steht für die nachhaltige, strategische Ausrichtung von Städten und Gemeinden unter dem Leitmotto ’familienfreundliche, bürgeraktive und demografiesensible Kommune’. Es bietet professionelle Begleitung, Qualifizierung der Teilnehmer, Evaluation sowie einen landesweiten Erfahrungsaustausch. Programmpartner sind u.a. die Ministerien für Arbeit und Soziales und ländlicher Raum sowie der Kommunalverband für Jugend und Soziales und das Referat Familienforschung des Statistischen Landesamtes. Zentrales Anliegen ist mit dem integrierten Managementverfahren in den Kommunen kommunale Projektgruppen mit Vertretern von Gemeinderat, Verwaltung, Unternehmen und Bürgerschaft aufzubauen, und dazu anzuleiten ein strategisches Handlungskonzept zur Bewältigung des demografischen Wandels zu erarbeiten. Patentrezepte sind nicht in Sicht, konkrete Lösungen müssen im Dialog vor Ort entwickelt werden. Ein unabhängiger Prozessbegleiter steht bei der Vorbereitung und Durchführung der wesentlichen Arbeitsschritte zur Seite. Die Teilnehmer der Projektgruppe können sich durch Exkursionen und Fachveranstaltungen der Programmträger für die anstehenden Aufgaben kostenfrei weiter qualifizieren. Des Weiteren kann auf ein landesweites Netzwerk aus Experten bei speziellen Fragestellungen zurückgegriffen werden.

Infos zum Verfahren auf dem Portal Familienfreundliche Kommune


> BürgerInnenräte

Die Vorbereitung und Durchführung von Bürgerräten nach dem Vorarlberger Modell sieht die Landesregierung als einen erfolgsversprechenden Weg an die repräsentative Demokratie in Baden-Württemberg zu stärken. Nach dem Zufallsverfahren werden 200-300 Bürger angeschrieben und unter den Freiwilligen eine Auswahl an Bürgern zusammengestellt die einen relativen Querschnitt der Einwohnerschaft repräsentieren. Diese entwickeln unter fachkundiger Moderation i.d.R. über 1 ½ Tage zu einer vorgegebenen Fragestellung Vorschläge und Haltungen, die den politisch Verantwortlichen wichtige Leitplanken bieten für wichtige kommunalpolitische Entscheidungen. Diese werden üblicherweise in einem zeitversetzten stattfindenden Bürgercafé von den Teilnehmern selbst den Gemeinderäten und der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt. Bei den Teilnehmern wächst Verantwortungsgefühl und langfristiges Interesse sich aktiv für Belange der Kommune einzusetzen. Diese Art der Politikberatung auf Augenhöhe wird vom Sozialministerium des Landes finanziell mit 30.000€ unterstützt. Dazu wurde ein Moderatorenpool aufgebaut, der auf der Seite des Ministeriums den interessierten Kommunen Informationen zu den speziell dafür ausgebildeten Moderatoren bietet. Kommunen, die einen Bürgerrat durchführen werden dabei mit 3.000€ Landesmitteln unterstützt.

Übersichtsblatt zu BürgerInnenräten des Sozialministeriums


> Beratung und Information

Sind Sie an einem der Programme im Speziellen oder ganz allgemein an den Themen nachhaltige Stadt- und Gemeindeentwicklung, Bürgerbeteiligung oder Prozessbegleitung interessiert? Melden Sie sich bei mir. Ich stelle Ihnen gerne weitere Informationen bereit, vermittle Kontakte oder überlege gemeinsam mit Ihnen welche Vorgehensweise für Ihre Anliegen geeignet ist.

Ideenlabor für bestehende Stadtquartiere am KIT Karlsruhe 13-05

Mit dem Quartier Zukunft - Labor Stadt soll in einem langfristigen Prozess ein bestehendes Karlsruher Stadtquartier beispielhaft im Sinne eines umfassenden und integrativen Nachhaltigkeitsverständnisses transformiert werden. Das Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eröffnet mit dieser Plattform ein Experimentierraum für das Ausprobieren von neuen zukunftsweisenden Ideen, gesellschaftlichen und technischen Innovationen und Lebensentwürfen. Wissenschaft, Kunst, Technik, Bildung, Sozialwesen, Verwaltung, Kultur und Bürgerschaft sind aufgefordert sich an dem Dialog mit dem multidisziplinär besetzten Team des KIT zu beteiligen. Dazu fand kürzlich am Campus Süd der erste Werkbericht & Ideen-Workshop mit Vertretern von lokalen Organisationen, Initiativen sowie interessierten Planern und Bürgern statt. Nach dem Stand der Projektentwicklung wurde an vier Tischen zu den Themenfeldern Stadt & Mobilität, Wertewandel Nachhaltigkeit, Gesunde Stadt und Kreislaufstadt engagiert diskutiert und dabei kreative Maßnahmenvorschläge generiert, die anschließend im Plenum vorgestellt wurden.  

Die nächsten Schritte: Im den kommenden Wochen soll auf Grundlage einer umfassenden indikatoren-gestützten Analyse des Karlsruher Stadtgebietes schließlich ein Quartier ausgewählt werden der für eine nachhaltige Transformation geeignet erscheint.

Wer sich weiter über das Projekt informieren will kann dies zum einen tun über die Webpräsenz des Quartiers Zukunft. Die Facebook-Seite liefert aktuelle Neuigkeiten, relevante Links und Informationen rund um das Projekt. Impressionen zur Veranstaltung am 22.06.2013 gibt es auf der Flickr-Seite.

DiverCities.org online! 13/04

Die Webpräsenz DiverCities.org der Initiatoren Lars Becker und Frieder Hartung rund um eine transsektorale Willkommenskultur ist online! Wofür DiverCities steht, auf welcher räumlichen Ebene der neuartige Ansatz zum tragen kommt, welche Möglichkeiten damit verbunden sind aber auch welche Grenzen erfahren Sie auf der Seite. Des Weiteren möchte die Internetplattform Anlaufstelle sein für am Thema Willkommenskultur interessierte Akteure und wichtige Erkenntnisse zusammenführen für die Entwicklung einer gelingenden Willkommenskultur vor Ort.

Mit der Online-Stellung der Webseite hat sich das Stuttgarter Stadtmagazin Lift in seiner Titeltstory "How to Kehrwoche" dem Ankommen in Stuttgart gewidmet und städtische Akteure interviewt.

Hola, Selam, Hello, Salut - warum es uns gut steht Vielfalt willkommen zu heißen 13/03

Der mentale Wandel innerhalb Deutschlands vom Einwanderungsland wider Willen zur Begrüßung einer vielfältig kulturellen Gesellschaft folgt der Realität mit Verzögerung. Dabei ist unser wirtschaftlicher Wohlstand und gesellschaftlicher Reichtum eng verbunden mit dem Beitrag und der Teilhabe von Menschen anderer Herkunft.

Großstädte wie Stuttgart, Hamburg oder Frankfurt weisen eine Fluktuationsrate von etwa 8% der Bevölkerung auf mit leicht positivem Wanderungsgewinnen. Dieser Trend ist anhaltend stabil über die letzten 5-10 Jahre. Die Gruppe der Neubürger umfasst Fachkräfte, Hochqualifizierte, Studenten, Wissenschaftler, Heim- und Rückkehrer, Pensionäre, Familien aus dem In- und Ausland. Bisher jedoch fehlt es an übergeordneten strategischen Konzepten zur Begrüßung von Neubürgern. Aktuell werden neu ankommende Personen differenziert nach deren Herkunft und Situation (EU-Einwanderer, Studenten, Drittstaaten, Asylbewerber, etc.) durch ein verwirrendes System an unterschiedlichen Behörden und Anlaufstellen in Empfang genommen. Aufgrund der Unübersichtlichkeit und fehlenden Sichtbarkeit vieler Einrichtungen werden wertvolle und kostenintensive Unterstützungsangebote gar nicht erst in Anspruch genommen. Ein Gefühl der Wertschätzung und des Willkommensseins wird sich hier schwerlich einstellen – genauso wenig ein Mehrwert für die jeweilige Stadt/Region. Somit ist auch nicht bekannt, welche Erwartungen und Wünsche Neubürger an ihre neue Umgebung haben, in welchen Bereichen sie konkrete Unterstützung benötigen und welche Verbesserungsmöglichkeiten sie sehen. Zudem tragen Neubürger mit ihrer Arbeitskraft, ihrem Talent und ihren Ideen maßgeblich zum Wohlstand bei. Auf der anderen Seite verlieren Städte im nahezu gleichen Ausmaß Ressourcen und Knowhow durch Abwanderung ins Umland oder darüber hinaus.

Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist aufgrund des demografischen Wandels auf Einwanderung (von Fachkräften) angewiesen und befindet sich damit in Gesellschaft mit zahlreichen anderen Ländern, die in den nächsten Jahrzehnten schrumpfen werden. Gemäß dem Fachkräftemonitor der Industrie- und Handelskammern werden in Baden-Württemberg zwischen 2013 und 2030 durchschnittlich 220.000 Fachkräfte fehlen – darunter 67.000 allein in der Region Stuttgart; bundesweit sind 860.000 Stellen unbesetzt (Q3/2012). Dazu zählen Ingenieure, andere Akademiker und nicht-akademische qualifizierte Fachkräfte. Einer der zentralen Forderungen an die Politik ist eine verbesserte Willkommenskultur für ausländische Fachkräfte zu etablieren.

Die Attraktivität einer Region/Stadt/Land spiegelt sich in dem generellen Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft, der Toleranz und Wertschätzung gegenüber Menschen anderer Herkunft und ihren bisherigen Leistungen. Aktuell leben in der Bundesrepublik bereits mehr als 15 Mio. Menschen mit Migrationshintergrund aus den unterschiedlichsten Motiven, Kulturen und Schichten. Durch die Krisen v.a. in Südeuropa ist eine verstärkte Zuwanderung insb. aus Spanien, Griechenland und Italien festzustellen.

Eine zunehmend globalisierte Informations- und Wissensgesellschaft forciert einen Anstieg beruflicher und gesellschaftlicher Mobilität. Gleichzeitig verliert die Verbundenheit zum Standort insb. in Großstädten in der Folge immer mehr an Bedeutung. Für das Erleben des Gefühls nirgends zu Hause zu sein, der Heimatlosigkeit verwendet die Wissenschaft den Begriff „Disembedding“. Eine höhere Anfälligkeit besonders für Depression und psychosomatische Erkrankungen wird hiermit in Verbindung gebracht.

Petra Pinzler räumt in der aktuelle Zeit No. 19 in ihrem Artikel über arme, junge, kluge Einwanderer auf mit dem Bild der Armutseinwanderung. Ein lesenswerter Artikel der die Sicht von Bevölkerung, Politik und Wirtschaft zur Zuwanderung in den Blick nimmt und der Realität gegenüberstellt. Neben den rechtlichen Verbesserungen sieht aber auch Sie „Schwierigkeiten bei der ‚Willkommenskultur’, all den kleinen Zeichen die dafür sorgen ob jemand gern oder ungern hierher kommt.“

Wie so etwas gehen kann dazu passt super die Idee in der nächsten Folge...

Kommunale Intelligenz 13/02

heißt das neu erschienene Werk vom renommierten Hirnforscher Gerald Hüther, Potentialentfaltung in Städten und Gemeinden der vielsagende Untertitel. In dem Buch nimmt er den Lebens- und Erfahrungsraum Kommune in den Blick. Kommune als Klammer im Sinne der ursprünglichen Wortbedeutung Gemeinschaft, die Familien, Dörfer und Städte im Innern zusammenhält. Der Zeitgeist spricht von Beziehungskultur. Und doch steht am Anfang eine Diagnose, die stocknüchtern die Situation aufgreift, wie sie allgegenwärtig ist in den Kommunen weiter draußen im Lande. Die Abwanderung der jüngeren Bürger, die Schließung von Schulen, das ausgedünnte Angebot an medizinischer Versorgung, der Nachwuchsmangel der Vereine und dem immer schwierigeren Leben für die Älteren vor Ort. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Hüther sieht herkömmlich praktizierte Muster der Einsparung und Effizienzsteigerung kritisch, umso mehr wenn sie im Widerspruch mit gleichzeitigem Wachstumsstreben stehen. Er fragt sich ob eine Entfaltung der Potenziale entlang der vor Ort vorhandenen Möglichkeiten, das miteinander verbunden sein und miteinander wachsen möglich sei um einen zukunftsfähigen Pfad zu beschreiten. Und sich auf diese Weise soziale Erfahrungsräume schaffen lassen, die an die Stelle der traditionellen (Groß-)Familien treten. Dort können Heranwachsende lernen worauf es im Leben ankommt, wie man sein Leben gestaltet, wie man seinen Teil der Verantwortung für dieses Zusammenleben übernimmt. Kommunen, die nicht mehr nur Verwaltungsgemeinschaften sind - eine Ansammlung von Individuen, die einseitig auf eigene Interessen und Ziele ausgerichtet sind und nicht mehr das Gemeinwohl im Blick haben. Kommunale Intelligenz bedeute, den wahren Schatz, die der Gemeinschaft innewohnenden Begabungen und Talente, zu entdecken und zu entfalten.

Das sind einige der spannenden Gedanken die Hüther in seinem Buch erläutert und zu einem Plädoyer für die Revitalisierung kommunaler Gemeinschaften verdichtet. Nachzulesen auf kompakten 125 Seiten im Kleinformat, herausgegeben von der edition Körber-Stiftung: ISBN 978-3-89684-098-1

Annäherung an einen x-beliebigen Ort 13/01

Der Ort hinterlässt auf den Außenstehenden ein widersprüchliches Bild. Da ist einerseits die landschaftlich reizvolle Umgebung, die sanft ansteigenden, bewaldeten Hänge, die sofern sie im Ortsbild sichtbar sind einen eindrucksvollen Kontrast zum Straßenraum und der historischen Bebauung bilden, die wiederum in ihrer Geschlossenheit und Qualität ein eindrucksvolles Spiegelbild mittelalterlicher Baukunst formt. Und da ist auf der anderen Seite die gefühlte Enge und Abgeschnittenheit zwischen den aufgehenden Hängen und den dicht an dicht stehenden Häusern ebenso wie die Zeugen wirtschaftsstruktureller Veränderungen in Form von abwirtschafteten Gewerbestandorten und zahlreichen leer stehenden Gebäuden und Ladengeschäften.

Zeichen von Modernität oder des Aufbruchs sucht man vergebens, vielmehr wirken ein Großteil der alten Gebäude sich selbst überlassen - fast als hätte sich mit dem letzten Auszug die Hoffnung auf neue Nutzer oder Bewohner gleich mit verabschiedet. Der Ort - so scheint es - ist mehr der Vergangenheit verhaftet, als dass die Bewohner die Auseinandersetzung mit der Zukunft suchen, mit aktuellen Anforderungen an Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Lernen umzugehen.

Die Aufgabe eine Perspektive für neues Leben in der alten Umgebung zu entwickeln und einen Weg vorzuzeichnen der Vorteile erkennt, z.B. eine kompakte Form, ein identitätsstiftendes Ortsbild, keine störende Industrie- und Gewerbeansammlungen oder ein hoher Erholungs- und Freizeitwert wo andere schwierige Rahmenbedingungen (schlechte Lage, wenig Licht, alte Gebäude, kaum Erweiterungspotential) als Erklärung fürs Nichtstun hernehmen ist überfällig. Mehrere Jahre, die ins Land gegangen sind, hätten bereits genutzt werden können um Strukturen zu schaffen die eine Trendwende zu mehr Vitalität und Attraktivität bedeuten. Die Hoffnung auf eine große Einzellösung hat sich zerschlagen. Vor dem Ort liegt ein mühsamer Weg des sich aus vielen kleinen und größeren Etappen zusammensetzt, um Schritt für Schritt - bedachtsam aber stetig - einen zukunftsfähigen Pfad zu beschreiten. Verwaltung, Bürger und die vor Ort ansässigen Akteure haben es selbst in der Hand den weiteren Verlauf ihres Ortes zu bestimmen und einen Entwicklungsimpuls einzuläuten. Dazu sind Sie wie andernorts auch, auf Hilfestellungen und Zusammenarbeit mit öffentlichen Einrichtungen, privaten Büros und Unternehmen angewiesen.

Kommt das nicht dem ein oder anderen bekannt vor? Orte im demografischen und wirtschaftlichen Niedergang zwischen all den prosperierenden Zentren mit Wohnungsnot, steigenden Mieten und boomender Wirtschaft. Sie liegen vornehmlich in ländlich geprägten Räumen, etwas zu weit entfernt von den Arbeitsplätzen. Im Spannungsfeld zwischen Resignation und Hoffnung. Auf die Trendwende. Wer kennt die Lösung; wer investiert in sie? Wie sieht sie aus, die Zukunft dieses x-beliebigen Ortes?

Wandelbare Räume 12/12

Zum Abschluss des Jahres wird traditionell analysiert und nach vorne geschaut - Was steht also bevor? Der Deutschland-Atlas auf Süddeutsche.de verrät wohin die Reise geht. Mit der Wanderung des Schiebereglers über die Zeitleiste von 1990 bis 2030 altern die Deutschen, bis sie dunkelrote Punkte werden. Die Punkte, die die Größe der Haushalte darstellen, verfärben sich ebenfalls merklich – bei der Hälfte sinkt der Wert im Zeitraum auf unter zwei Personen je Haushalt. Das Alter der Arbeitnehmer steigt und steigt, wenn auch die großen Ballungszentren im Vergleich von dieser Entwicklung kaum berührt sind. Dass Demografie-Prognosen eine Abkehr von einer ausgeglichenen räumlichen Siedlungsstruktur und einer gemischten Altersstruktur verkünden ist hinlänglich bekannt. Die interaktive Grafik zeigt jedoch auch auf, wie rapide sich dieser Wandel bereits vollzogen hat, das Phänomen das keines mehr ist sondern harte Realität für viele Regionen, Städte und Gemeinden deren Einwohnerzahl schwindet wie den Gletschern das Eis, wo der Gebäudebestand leer fällt und die Anfragen ausbleiben, da sinken die Preise. Als Faustregel gilt: je Prozent Rückgang der Bevölkerung sinkt der Preis bei Wohnungen um 2,2%, bei Häusern um 1,4%.

Wo immer weniger Menschen immer weiter auseinander wohnen, da kommt kein neues Angebot, wenn überhaupt noch Einkaufsmöglichkeiten und eine medizinische Grundversorgung gegeben sind. Das Leben wandert ab, in die Ballungszentren, wo die Angebote, das Gros der Arbeitsplätze konzentriert sind. Die Städte können die Nachfrage nicht bedienen, die Mieten schnellen aufgrund des Missverhältnisses aus Angebot und Nachfrage in die Höhe. Bei 2 Mio. m2 Büroleerstand in Frankfurt wird gerade oder besser endlich das Thema Umnutzung oder immobiliensprachlich Redevelopment angepackt. Einst leer stehende, bedrohlich wirkende Büromonster werden durch aufgelockerte Fassaden und durch Begrünung zu gesuchten „Adressen“ mit allerlei Annehmlichkeiten – wenn nicht die sonst häufig entgegenstehenden rechtlichen oder technischen Gründe dies verhindern. Soweit in Frankfurt. Anderswo schließen Pflegeheime weil sie den aktuellen Gebäudestandards nicht entsprechen, Krankenhäuser weil deren Betrieb in der Provinz unrentabel ist. Zurück bleiben große verlassene Liegenschaften. Privatwirtschaftlich lässt sich auch damit Geld verdienen, so beispielsweise Agenturen wie Camelot, die junge Personen als Hauswächter engagieren für die Objekte – diese wohnen dort und verdingen sich für eine geringe Warmmiete als Aufpasser über das Areal. Ein Kündigungsrecht gibt es nicht, rein rechtlich gesehen geht es primär ums Arbeiten, nicht ums Wohnen.

Aus Sicht der Städte und Gemeinden gibt es wenig zu gewinnen. Die Herkulesaufgabe adäquate Bildungs- und Betreuungsinfrastruktur bereit zu stellen für schwindenden Nachwuchs aber steigenden Betreuungsbedarf bei Kleinkindern, für veränderte Schulbelegung durch Wegfall der Grundschulempfehlung und die Einführung der Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg fordert teure Investitionen und lokal oft schmerzhafte strukturelle Veränderungen. Der finanzielle Ausblick verkündet hingegen sinkende Steuereinnahmen durch die rückläufige Zahl der Arbeitnehmer und steigende Sozialtransfers für eine alternde Bevölkerung.

Die Räume die jetzt gebraucht werden gibt es nicht. Was morgen sein wird wissen wir nicht, aber wenn es nicht gelingt flexible Räume zu schaffen mit der Option für einen anderen Zuschnitt oder eine andere Nutzung oder bezahlbaren Wohnraum für Menschen mit weniger Einkommen in Innenstädten fällt das Ideal von der europäischen kompakten, dichten und belebten Stadt dem Wandel zum Opfer.

Verkaufsraum im Überfluss 12/11

Nur noch links um die Ecke, über die Ampel und die leicht ansteigende Straße mit den antiquierten Geschäften entlang für ein paar kleinere Besorgungen. Gerade einmal wenige Minuten Fußweg und doch beschleicht ein so ein unbestimmtes Gefühl, dass sowohl der Laden in dem schönen alten Haus keinen Pächter mehr findet, wie auch sein Pendant im Haus nebenan und das Ladengeschäft mit dem Aushang des Maklers gegenüber, das lautlos zu schreien scheint und beim Blick durch die Scheiben auf die solide Staubschicht doch das offensichtliche offenbart: hier hat schon länger keiner einen Fuß mehr herein gesetzt, geschweige denn sich für die Räumlichkeiten interessiert hat.
Das Erscheinungsbild der stolzen Einkaufsstraße in zweiter Reihe, der frequentierte Platz am Rande der Innenstadt oder das kleine Geschäftszentrum inmitten des Quartiers – in manchen Fällen wirkt es wie im Zeitraffer, in anderen quälend langsam wie das lebendige und geschäftige dass diese Orte einst ausgezeichnet hat zu entweichen scheint. Der Glaube ist abhanden gekommen, die Hoffnungslosigkeit hat gesiegt, die Schlacht ist geschlagen -  es lebe der Online-Handel - willkommen auf dem virtuellen Marktplatz der unbegrenzten Konsumbefriedigung! Wirklich? Zustände wie in Korea, wo man selbst das tägliche Einkaufen über das Scannen des QR-Codes an der Fototapete des Bahnhofs erledigt und der Lieferwagen kurz nach der Ankunft die Waren vor die Tür gestellt hat: Virtual Subway Store - let the store come to the people. In Zeiten wo selbst die Media-Markt/Saturn-Kette im Elektronikfachmarktbereich trotz weltweiter Marktdominanz sich nicht mehr dem boomenden Online-Handel erwehren kann und nun selbst diesen forcieren will um eine Trendwende zu schaffen scheint das folgerichtig, zunächst. Überrascht noch jemanden ernsthaft, dass der Online-Handel zweistellig in Deutschland wächst (10,1% in 2011), reflektieren wir doch für eine Minute unser eigenes Einkaufsverhalten und denken an die Preisdifferenz gegenüber Aufschläge für Miete, Personal oder den erleichterten Zugang, die endlose Auswahl, die erlassene Versandgebühr, etc. Was bleibt am Ende übrig, Verkaufsraum im Überfluss? Von den Symptomen über die Ursachen zur Prognose lautet die Antwort: Ja. Und doch nicht so eindeutig. Jeder Trend erzeugt einen Gegentrend. Warum nicht einen solchen mitgestalten.
Unterscheiden wir zunächst Gebiete die vornehmlich durch Wohnen geprägt sind und Geschäftszentren. Für erstere sehe ich eher ein konzeptionellen Ansatz geeignet, der Einsicht voraussetzt, v.a. bei den Eigentümern. Dass die guten alten Zeiten vorbei und Mietabschläge oder der ein oder andere Euro an Investitionen Mittel der Wahl sind für eine andere Zukunft. Die getragen sein könnte von Büros, Gründern, sozialem Unternehmertum, Kleinkindbetreuung die Aktivität in vormalige Ladengeschäften bringen - unterbrochen von kleinen Cafés zum Auftanken für die Anwohner, Erwerbstätigen. Rückbesinnung auf das was nach dem Abzug eines Großteils unseres Freizeit- und Einkaufsverhaltens in die Online-Welt von dieser nicht oder zumindest nicht gleichwertig kompensiert werden kann: Soziale Kontakte, Atmosphäre, räumlicher Bezug und Nähe. Es entsteht Raum für Gemeinschaft, für nachhaltiges Wirtschaften und neue Ideen. Und führt zur Aufwertung des Viertels, das dadurch attraktiver erscheint, von sich reden macht und bei Anbruch der Dämmerung zu leuchten beginnt. Wer könnte sich nicht mit einem solchen Szenario identifizieren, schaut er heute nochmal hin?
In Geschäftszentren hingegen differenziert sich die Einkaufslandschaft aus: Neben Einzelhändlern, die ihre Flächen verkleinern, geringere Mieten verhandeln solche die mehrgleisig fahren, mit Verkauf über Internet, Versand und über die bestehenden Geschäfte. Zuwachs kommt von überraschender Seite: Aus dem Internet. Die neuen E-Commerce Strategen beginnen stationäre Läden mit einzubeziehen in das Gesamtkonzept, wollen potentiellen Kunden Waren „nahe bringen“ und dem nüchternen Einkaufserlebnis am Bildschirm etwas mit allen Sinnen erfahrbares entgegensetzen. Spannende Zeiten, sofern man sich mit kommenden und gewünschten Entwicklungen beschäftigt und die richtigen Lehren zieht.

Idee auf Basis eines Artikels in der Immobilienwirtschaft 07/08 2012

Beteiligen Sie sich! 12/10

Beteiligung und Kommunikation steht oben auf der Agenda, keine Frage. Gleich mehrfach drängt das Thema im Bezug auf städtebauliche Projekte und Zukunftsentscheidungen dieser Tage in die Welt der Planer und Architekten.

  1. Die Internationale Bauausstellung 2013 in Hamburg hat sich diesem Themenkomplex vielschichtig gewidmet und die Erfahrungen brandaktuell in der IBA-Lounge im Haus der Architekten am 25. September in Stuttgart vorgestellt. Ein spannender Weg stellt z.B. der Einsatz von Beteiligungslotsen dar. Ausgebildete Studenten gingen in die Haushalte hinein, zu den Bürgern hin und haben die vielfach migrantischen Haushalte auf einer persönlichen Ebene eingeladen an den Workshops und anderen Formaten mitzumachen bei der Weiterentwicklung ihres Quartiers.
  2. Von Hausbesuchen zur virtuellen Sphäre. Als kommunikative Bürgerbeteiligungs-Plattform für verschiedene Projekte der Stadtentwicklung in der Republik ist die Zivilarena vor wenigen Tagen an den Start gegangen und bietet einen Raum für Debatten von Experten und Interessierten zu speziellen Themen als auch konkreten Projekten. Dahinter stecken das immobilienwirtschaftliche Unternehmen Bulwien Gesa AG und die firu Gesellschaft für Umwelt- und Raumthemen aus Kaiserslautern, die ein aufkommendes Geschäftsfeld damit besetzt haben.
  3. Das eigene Projekt. Am 22.09. wurde einen Tag lang losgelöst von Einzelentscheidungen mit Mitgliedern der Verwaltung und dem Gemeinderat die Entwicklungsperspektive der Kommune in der Nähe des Bodensees in den Fokus genommen. Das Programm beinhaltete die Festlegung von Handlungsfeldern, das Aufspüren von Stärken und Schwächen, die Ableitung von strategischen Zielen und das Generierung von Ideen um die Zukunftsthemen mit Inhalt zu füllen. Und den Weg zu bereiten für einen gesellschaftlichen Dialog mit der Bürgerschaft zum Wohle der Gemeinschaft. Drei Faktoren die zum Gelingen beigetragen haben...1.) Gründliche Vorbereitung auf die Kommune und die Beteiligten, 2.) Gleichberechtigung aller Teilnehmer und ein Fragenkatalog zum Aufspüren des Wissens und der Kompetenz vor Ort. 3.) Eine Verteilung von 10% Input, 60% Arbeitsphase und 30% gemeinsame Diskussion sowie eine geeignete Methode wie den WorldCafé Ansatz für eine Durchdringung eines breiten Themenspektrums durch eine große Gruppe.
  4. Das Particitainment, ein Begriff von Klaus Selle, greift um sich. Kritische Stimmen werden laut, aus der Beobachtung von Initiativen im Internet. Mit einer Reihe von Klicks entwickeln sich Dynamiken die über ganze Projekte entscheiden, teilweise ohne an einer realen und transparenten Auseinandersetzung über die verschiedenen Sichtweisen teilgenommen zu haben. Mit dieser Warnung vorangestellt ein Hinweis auf die Petition der Prinzessinnengärten in Berlin, die Unterstützer suchen um die Fläche am Moritzplatz weiter bewirtschaften zu können.

Schwarz-Rot-Grün 12/09

Anwohnerbeteiligung, Integration, Brachflächenrevitalisierung, ... dicke Bretter? Mag schon sein. Aber ein städtebauliches Projekt, das all dies schafft und dabei ein vielbeachtetes und gestalterisch innovatives Ergebnis mit sich bringt ermutigt zum bohren. Die Kopenhagener Stadtverwaltung zeigt einmal mehr den Weg auf in Richtung sozial nachhaltiger und für Bürger attraktiver Stadtentwicklungspolitik. Der Landschaftspark Superkilen in Kopenhagen, inmitten eines dichten und durch vielfältige Kulturen und Nationalitäten geprägten Quartiers ging aus einem Wettbewerb hervor, den das dänischen Architekturbüro BIG in Verbindung mit dem Berliner Büro Topotek 1 für sich entscheiden konnte. Das Konzept besteht aus drei unterschiedlich geprägten Zonen: eine grüne Erholungs- und Sportfläche, einen modernen, roten multifunktionellen Bereich sowie einen schwarzen, klassisch mit Brunnen und Bänken gehaltenen, Platz. Für Aufmerksamkeit sorgt die Zusammenstellung des Stadtmobiliars aus den jeweiligen Kulturen der Nachbarschaft. Dabei wurden prägende Elemente wie Bänke, Leuchten, Bäume oder Beschilderung entweder aus den Herkunftsländern direkt importiert oder 1:1 vor Ort nachgebaut. Öffentlicher Raum mit internationalem Flair für alle als bemerkenswerte und mutige Alternative zu einer Stadtentwicklungspolitik die auf architektonische Leuchttürme als Mittel setzt, internationale Ausstrahlung vermitteln zu wollen. Orientierung bietet der deutsche Soziologe Max Weber für den Politik „ein starkes langsames Bohren von harten Brettern mit Leidenschaft und Augenmaß zugleich“ ist.

Quelle: Projektreferenz auf der Webseite des Künstlerkollektivs Superflex

 

Seine Idee 12/08

Das „Traum-Projekt“ des sozialistischen Pariser Oberbürgermeister Delanoë geht in die Umsetzung. Ziel ist es die Stadt und die Menschen wieder an die Seine zu bringen. Bislang wurde der Zugang zum Fluss in weiten Teilen durch autobahnähnliche Verkehrsschneisen auf beiden Seiten unterbunden. Die aktuell angelaufende Maßnahme ist ein weiterer Baustein eines umfassenden Mobilitätsstrategie, nach dem Ausbau der Busspuren und Fahrradwege oder der Implementierung des in Paris sehr rege genutzten Fahrradverleihsystems. Zur Eröffnung der mehrspurigen Uferstraße 1960 hatte der damalige französische Präsident noch getönt „Paris must adapt to the car“ – schien also nicht viel anders zu laufen als in Stuttgart und anderen autogerechten Großstädten in diesen Tagen… Erhoffte Wirkung des Projekts: Minus 10% Autoverkehr über die kommenden 5 Jahre (konform mit dem Trend seit Amtsantritt 2001 von 2% weniger pro Jahr).
A place of life, beauty and culture soll entstehen und wer weiß ob da nicht auch der Blick über den Tellerrand nach Lyon mit seiner nach Umbau äußerst lebendigen Uferpromenade den Anstoß für dieses Projekt gegeben hat. Meine eigene Konzeptarbeit zur Umgestaltung des durch Verkehr geplagten nördlichen Themse-Ufers zu einer Victoria ArtBankment (Link zu Embankment Projekt) weist ebenfalls eindeutige Parallelen auf.
Den Kosten im mittleren, zweistelligen Millionen-Bereich steht die Verwertbarkeit von öffentlicher Flächen in großem Umfang für mehr Cafés, Bars, Fußgängerbereiche und Stege für elektrobetriebene Ausflugsboote gegenüber. Sicher nicht zum Nachteil für die angrenzenden Gebäude und Handelsflächen und den Tourismus. In diesem Sinne hinfahren und anschauen! Bei dieser Gelegenheit empfehle ich gleich eine Besichtigung des Parc André Citroen im Südwesten der Stadt als Vorzeigeprojekt (z.B. für Stuttgart) für eine gelungene Revitalisierung einer durch Automobilproduktion geprägten Fläche in einen innovativen Landschaftspark mit großartigen Themengärten und - durch Umleitung des Verkehrs - direkt an der Seine gelegen.

Quelle: Artikel in der NYTimes vom 7.08.2012

Die Zukunft verbaut? 12/07

Chinas High-Speed Urbanismus in der Endlosschleife. Aktuelle Folge ‚Spanien’. In diesem Jahr wird im Reich der Mitte soviel verbaut wie die iberische Halbinsel Wohnungen für ihre Bewohner und ausländische Anleger bereithält. Für die nächsten Jahre bis 20zwanzig sollen in zwei durchschnittlichen Metropolen laut Bauplänen ganz Schweden und Polen nachgebaut werden, in Peking entsteht ein Abbild der Schweiz - nicht dem Stil nach aber dem Umfang an Wohnraum. Vor dem inneren Auge schweifen Kolonnen von Wanderarbeitern vorbei, Wohnetage stapelt sich auf Wohnetage, immer höher geht es, bis wir aus schwindelerregenden Höhen das Ausmaß erfassen, mit dem hier die chinesische Zukunft auf viele Jahre hin zementiert wird.
Die Umsetzung zeitgemäßer Energiestandards ist eine andere Baustelle, hier ist wenig Fortschritt zu erkennen: 9 von 10 fertiggestellten Wohnungen weisen energetische Defizite auf. Kommt nach dem Bauboom der Dämmungsboom?
Die europäische Idealvorstellung mit durchmischten Quartieren, kurzen Wegen zu allen Notwendigkeiten des täglichen Bedarfs, einer lebendigen Nachbarschaft, individueller und energieeffizienter Architektur mögen nicht so recht zusammenpassen mit dem was in China passiert – sozio-kulturell, wirtschaftsdynamisch und nachfragetechnisch prallen hier nach wie vor Welten aufeinander – und doch kann nachhaltige Entwicklung nie isoliert erreicht werden sondern nur in einem globalen Kontext, durch vorausschauendes Handeln und angepasste Lösungen. Wenig Neues aber leider auch nicht in ausreichendem Maße Wirklichkeit.

Quelle: Kurznachricht in zeo2 - das Umweltmagazin, 03/2012